Forschung und Entwicklung in Deutschland


Forschung und Entwicklung müssen im Gleichklang stehen. Das heißt, Sinn der Forschung ist es, gewonnene Erkenntnisse qualitativ und quantitativ in nutzbringende Entwicklungen und Lösungen umzuwandeln. Dieser Gleichklang ist in Deutschland nicht mehr gegeben. Ursache ist, es wird zu wenig nachgedacht und zu viel geforscht. Entsprechend niedrig ist der Qualitätsstandard, so dass immer weniger Sinnvolles daraus entwickelt werden kann. Märkte, besonders Zukunftsmärkte, aber sind auf Sinnvolles angewiesen.

Zuviel Forschung verwässert nicht nur die Qualität der Ergebnisse, sondern verstellt auch den Blick für das Wesentliche - schlimmer noch, es reduziert die Ansprüche der Forschenden und führt zu einer Rückentwicklung der Vorgehensweise. Dies wird bereits in vielen Bereichen unserer Wissenschaft und Forschung sichtbar, besonders in den technischen Disziplinen. Heute wird immer weniger der direkte Weg zur Lösung eines Problems gesucht. Vielmehr werden Probleme erst „diskutiert“, verwässert, verzerrt und vergrößert. Erst danach geht man an die Arbeit, die dann entsprechend kompliziert, langwierig und kostenträchtig ausfallen muss.

Was unseren Eliten weitgehend verloren gegangen ist, ist die analytisch, dialektische Denkausrichtung, die Widersprüche und Gegensätze schneller erkennen lässt und dadurch Probleme und Lösungen schon im Ansatz sichtbar macht. Das heute weit verbreitete Trial-and-error-Denken entspricht mehr der Arbeitsweise von Computern, als dem des menschlichen Denkverhaltens. Es führt durch Abstumpfen der Sinne zu immer weniger Kreativität und zur Einengung des Sichtfeldes bei der Suche nach Zusammenhängen.
Aber keiner in diesem Land scheint dies zu bemerken.
Vorbei sind die Zeiten, in denen unser Land als das der Dichter und Denker galt. Entgegen den Sonntagsbeteuerungen unserer Politiker, dass Deutschland noch immer das gelobte Land sei, kämpfen wir heute auf vielen Feldern bereits um unsere Mittelmäßigkeit.

Die Sichtweise vieler Beteiligter (inzwischen ein allgemeines Grundübel in Deutschland) geht davon aus, Ziele nicht mehr durch Qualität, sondern durch Quantität erreichen zu können. Diese Sichtweise erklärt auch die allgemeine Forschungswut, die es in Deutschland gibt und die in ihrem Bemühen, immer neue Forschungsfelder finden zu müssen, schon bizarre Formen angenommen hat. Dies führt in der Praxis zu vielen, sinnlosen Überlagerungen von Forschungsarbeiten und zu einer steten Verknappung der Forschungsthemen. Letztes wiederum zwingt dazu, immer neue Forschungsthemen zu erdenken bzw. künstlich zu entwickeln. Diese haben vom Anspruch her zwar wenig mit Forschung zu tun und bringen kaum Nutzen, erhalten aber die Lebensfähigkeit etlicher Institutionen. Dies scheint politisch gewollt zu sein, obwohl sich hierüber immer mehr Bürger und Steuerzahler wundern. Unglauben kommt bei diesen auf, wenn für diese Vorhaben auch noch zusätzliche Fördergelder gezahlt werden. Diese Gelder wären bei innovativ ausgerichteten, kleinen und mittleren Unternehmen weit besser aufgehoben und könnten hier eine Lawine zur Schaffung neuer Arbeitsplätze ins Rollen bringen.

Hat sich die Wissenschaft in Deutschland verselbständigt? Dies ist eindeutig zu bejahen.
Vor dem speziell deutschen Hang alles institutionalisieren zu müssen und damit jedes individuelle Denken abzuwürgen, kann sich auch die Wissenschaft nicht schützen, zumal
alle Parteien, Verbände, Gewerkschaften, Kammern, Verwaltungen und große Teile der Wirtschaft hiervon schon längst beherrscht werden.
Der Sinn und Zweck der Wissenschaft für das Wohl der Allgemeinheit zu forschen ist bereits in vielen Teilen verloren gegangen. Wie in allen institutionalisierten Bereichen wird auch hier der Selbsterhalt und Selbstzweck immer mehr zum Mittelpunkt. Zunehmend zeichnet sich eine Entwicklung ab, die zur Bildung von Edelreservaten führt, in die von außen her immer weniger Ideen und Gedanken eindringen können. Wo aber Wettbewerb fehlt, erlahmen schnell die eigenen Fähigkeiten und bilden sich zurück.

Durch diesen Gang in die Isolation gefährdet sich die Wissenschaft selbst. Der eigene Blickwinkel verengt sich immer mehr, die Messlatte für eigene Leistungen wird immer
kürzer. Wissenschaft, die sich solch einer Denkweise hingibt, produziert nicht nur Mittelmaß, sondern wird selbst zum Mittelmaß.

Um dem entgegenzuwirken empfehlen wir allen Universitäten und Instituten: Gebt die selbst gewählte Isolation auf. Kooperiert verstärkt mit kleinen und mittleren Unternehmen. Greift deren Ideen mit neuen Forschungsfeldern auf (Großunternehmen liefern selten Ideen). Öffnet als erstes die technischen Fakultäten für den Gedankenaustausch mit Firmen, Entwicklern und Erfindern. Macht die hervorragend ausgestatteten Universitäts- und Institutswerkstätten auch fremden Firmen zugänglich, z. B. für den Prototypenbau neuer Zukunftsprodukte. Die meisten Firmen verfügen nicht über die hierfür nötige technische Ausstattung. Vor allem aber, beteiligt Eure Studenten und Mitarbeiter an diesen Arbeiten. Sie sind es, die davon besonders profitieren werden.

Verantwortlich für den heutigen Zustand sind auch unsere Politiker, die sich zwar gerne mit den Erfolgen der Forschung und Wissenschaft schmückten, aber wenig für deren Erfolg beitrugen. So wurde jahrzehntelang versäumt, vernünftige Schwerpunkte, Vorgaben und Orientierungshilfen zu entwickeln. Statt dessen wurden Fördermittel wahllos verteilt. Mittel gab es für die Erforschung banalster Bereiche, was immer neue Forschungsinstitutionen ins Leben rief. Da aber alle Geld kosten und Geld immer knapper wird, muss bereits bei den wichtigsten Forschungsinstitutionen und -vorhaben gespart werden. Dies kann letztlich nur dazu führen, dass unser Niveau im internationalen Vergleich noch weiter abfällt.

Bochum, März 2001

Kloss INNOVATIONSBÜRO T. B. I.
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