JUSTIZPOSSE: ICE-Unglück Eschede (2.)

 
Vorsitzender Richter am Amtsgericht Celle
Herr Michael Dölp
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      k-be 28.04.2003

 

Verfahren: ICE-Unglück, Eschede // Telefax-Schreiben vom 15.01.2003 (mit Durchschrift an Presse)


Sehr geehrter Herr Dölp,

schämen Sie sich nicht dafür, wie schändlich und feige Sie sich aus dieser Affäre stehlen wollen und damit den Angehörigen von 101 Eschede-Toten Gerechtigkeit verweigern? In den Augen dieser Angehörigen werden die Toten nun zum zweiten Mal begraben – zusammen mit dem Glauben an Justiz und Rechtsstaat. Anmerkung: Es ist nicht hinnehmbar, dass nur dadurch, dass ein Unglück nicht in München, Hamburg oder Köln passiert, sondern in der Provinz, ein Gerichtsurteil mangels technischem Wissen und Übersicht nicht oder eventuell nur mangelhaft erfolgt.

Am 15.01.2003 habe ich Sie über die tatsächliche Unglücksursache informiert und mich bereit erklärt, dieses in einer auch für technische Laien nachvollziehbaren Weise zu erklären. Gleichwohl habe ich Ihnen in diesem Schreiben vorausgesagt, was Sie bei der anberaumten Gutachterbefragung erwarten wird. Dies alles haben Sie wissentlich ignoriert, genau so wie Ihre Kollegen von der Staatsanwaltschaft, denen mein Strafantrag (Datum 15.06.1998) mit der Angabe einer realistischen Unfallursache sowie weitere Eingaben vorliegen.

Ignoranz hat immer auch etwas mit Unfähigkeit und dem Unvermögen zu tun, dies einzusehen. Dass aber für eine Rechtsposse, die von vielen Beteiligten und Bürgern als Willkür bzw. als Rechtsbeugung empfunden wird, auch noch Hunderttausende Euro an Steuergeldern für falsch angesetzte Gutachten verbraucht werden, empfinde ich als Schweinerei. Dieses Geld hätte gespart werden und den Angehörigen der Opfer gespendet werden können. Dass die Staatsanwaltschaft schon vor der Beweisaufnahme die vermeintlich Schuldigen präsentierte, legt den Verdacht nahe, dass die jetzigen Angeklagten lediglich Bauernopfer sind und die wahren Schuldigen gar nicht vor Gericht stehen. Meine Recherchen hätten dies und andere Ungereimtheiten schonungslos offengelegt. In sofern bestand für die Staatsanwaltschaft absolut kein Interesse daran, dass meine Erkenntnisse Teile ihrer Ermittlungen wurden.

Aber galt das auch für Sie? Als Richter hätte Ihnen ein anderer Weg offen gestanden, als der Staatanwaltschaft. Aber auch Sie haben mein Schreiben ignoriert. Ihre Motive dafür kenne ich nicht. Sollten Sie damit aber Fehler Ihrer Kollegen bei der Staatsanwaltschaft decken oder ausbügeln wollen, sind sie befangen und als solcher sollten Sie sich dann auch fairerweise zu erkennen geben.


Mit freundlichen Grüßen


Gernot Kloss

Anlage: Telefax vom 15.01.2003