EINSCHREIBEN an den Justizminister des Landes Niedersachsen

Dringender Antrag auf Überprüfung der von der Staatsanwaltschft Lüneburg durchgeführten Untersuchungsarbeiten des ICE-Unglücks Eschede.

Sehr geehrter Herr Professor Dr. Christian Pfeiffer,

am 20.01.2001 habe ich mich an das Bundesjustizministerium gewandt und mich bitter über die schleppende Arbeitsweise und Ignoranz der Staatsanwaltschaft Lüneburg beschwert.
Trotz unverzüglicher Weiterleitung meiner Beschwerde an die Staatsanwaltschaft Lüneburg, sehe ich bei dieser, außer weiterer dilettantischer Verstrickungen und einem fehlenden technischen Sachverstand, in der Sache absolut kein Vorankommen.
Im Gegenteil, es ist zu vermuten, dass meine fachlichen Hinweise bewusst ignoriert werden, weil sie in eine nicht genehme Richtung gehen und Personen belasten, die wohl geschützt werden sollen.

Bei meinem am 15.06.1998 als Konsequenz aus dem ICE-Unglück Eschede gestellten Strafantrag gegen Unbekannt, habe ich schon die Vermutung geäußert, dass die Untersuchungen lediglich zu einem Bauernopfer führen könnten. Um die Ermittlungsarbeiten der Staatsanwaltschaft aber nicht zu beeinflussen, was diese evt. als Bevormundung hätte empfinden können, lieferte ich damals nur ca. 80 % der tatsächlichen Unglücksfakten. Diese aber servierte ich auf dem Silbertablett. Man hätte nur zugreifen brauchen.
Heute mache ich mir Vorwürfe, nicht auch noch die restlichen 20 % Aufklärungsarbeit geleistet zu haben. Denn das Herumgehampel dieser Staatsanwaltschaft - nach immerhin über drei Jahren - wird langsam zur Posse. Darunter hat das Ansehen der deutschen Rechtsprechung deutlich zu leiden und mit ihr auch die Angehörigen der Unglücksopfer. Aus diesem Grunde werde ich der Bitte der SELBSTHILFE ESCHEDE entsprechen und diese mit meinem Wissen nunmehr unterstützen.

Begründung:
Der Staatanwaltschaft Lüneburg mache ich zum Vorwurf, dass sie sich anfänglich wohl aus technischer Unkenntnis viel zu früh auf eine vermeintliche Unglücksursache fixierte und sich dann nicht mehr traute, diesen Fehler einzugestehen.
Dies könnte die Ursache dafür sein, dass sie meinen jederzeit nachweisbaren Vorwurf, die ICE-Laufräder des Unglückszuges in Eschede hätten aufgrund ihres kriminellen Aufbaues nicht einmal in langsam fahrenden Straßenbahnen eingesetzt werden dürfen, da sie sich auch hier nach einer längeren Laufzeit in ihre Bestandteile aufgelöst hätten, nicht nachkommt und sich lieber in Nebensächlichkeiten verbeißt.

Nun möchte ich einmal die Funktion der damals verwendeten ICE-Räder an einem bewusst einfachen, aber absolut vergleichbaren Beispiel erklären:

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Kein normaler Mensch würde sich einen Porsche kaufen und es wagen, die sportwagenharte Federung dadurch komfortabler zu machen, indem er den Reifendruck auf ein Minimum senkt, um dann hohe Geschwindigkeiten zu fahren. Jeder wüsste, dass ihm die Reifen irgendwann um die Ohren flögen und es unweigerlich zu einem Unfall käme.
Die Leitung Deutsche Bahn aber hat es gewagt ( aus Komfortgründen ) und die Leitung des Radherstellers VSG in Bochum hat es gewagt ( aus Kommerzgründen ? ) und die Staatanwaltschaft Lüneburg hat es gewagt und wagt es immer noch, um bei diesem Beispiel zu bleiben, eine nicht oder nur indirekt beteiligte "Porsche-Werkstatt" wegen ungenügender Kontrollen der Reifen für diese Unfälle hauptverantwortlich machen zu wollen. Dies ist eine Farce.

Obwohl in meinem Strafantrag und komplettierend in meiner Beschwerde vom 20.01.2001 alle Unfallursachen, Abläufe und Folgen der Staatsanwaltschaft Lüneburg exakt beschrieben wurden, habe ich nie eine Antwort oder Rückfrage bekommen. Diese und noch andere Ungereimtheiten, sind dringend zu klären.

Zum Beispiel:
Weshalb verbeißt sich die Staatsanwaltschaft ausschließlich darin, dass beim Radreifen des ICE-Rades eine gewisse Sicherheitsdicke nach Abrieb nicht unterschritten werden durfte? Warum will Sie nicht zur Kenntnis nehmen, dass z.B. der Radreifen eines Massiv-Rades nur am äußeren Umfang Abrieb erfährt, während der schwimmende Radreifen des verunglückten ICEs auch noch am inneren Umfang Abrieb erfährt, der wesentlich gefährlicher als der äußere Abrieb ist.
Gefährlicher auch deshalb, weil nur bei einer schwimmenden Bauart eine Walkbelastung des Radringes auftritt, die ausschließlich von innen ausgeht, wobei dann jede durch Abrieb entstandene Unebenheit am inneren Radring Geburtsstätte eines Risses werden kann.
Ein fest mit dem ICE-Rad verbundener Radreifen ( Festreifen ) hätte eine weit geringere Restdicke haben können, ohne dass etwas passiert wäre.
Viel schlimmer aber ist, dass durch den inneren Radreifenabrieb der Raum zwischen Radring und innerem Radteil immer größer wird. Dadurch wird möglich, dass sich der Radreifen durch seitliche Kräfte auf dem inneren Radteil verkanten kann und es zu sehr hohen Zugspannungen innerhalb des Radreifens kommt, die ein Mehrfaches der auf den Laufring einwirkenden Walkkräfte ausmachen.
Erfolgt eine Verkantung durch größere Seitenkräfte, etwa in einem größeren Winkel z. B. bei Kurvenfahrten oder beim Durchfahren von Weichen, können Zugspannungen im Radreifen auftreten, die das Zigfache der „normalen“ Walkkräfte ausmachen. In diesem Fall reicht selbst die vom Fraunhofer Institut vorgegebene Sicherheitsdicke, die für normale Laufbelastungen besagter ICE-Radreifen ausgelegt ist, nicht aus.
Die Krux ist, dass man Sondereinflüsse außerhalb von Normalbelastungen weder berechnen, noch simulieren, noch erproben kann, da jede Fahrstrecke anderer artspezifische Werte aufweist.

Damit es nicht zu diesen gefährlichen Verkantungen kommt, müssen schwimmende Radreifen durch Führungsringe geführt werden.
Die Erhaltung dieser Führungsringe ist extrem wichtig. Im Falle der ICE-Radkonstruktion Eschede, muss die Staatsanwaltschaft nun endlich Farbe bekennen.
Warum wurde die Überprüfung der Führungsringe dieses ICE-Rades, trotz meiner Hinweise bisher bewusst ausgeklammert, obwohl diese nur eine Dicke hatten, die einem Fünftel der Radreifendicke entsprach, aber durch einen oszillierende Abrieb vielfach stärker beansprucht wurden als der Radreifen durch Rollabrieb? Übrigens, hätte es keine schwimmende Verbindung zwischen Radreifen und Innenrad gegeben, so hätte es überhaupt keine Walkkräfte und mithin keine Radreifenbrüche geben können.

Die vorschnelle Festlegung der Staatsanwaltschaft bereits kurz nach dem Unglück, dass ein Radreifenbruch die eigentliche Ursache für die Zugkatastrophe war, empfand ich schon damals nicht nur als Provokation, sondern bereits als Vorverurteilung, was ich auch in meinem Strafantrag auch deutlich machte.
Schon damals fürchtete ich, dass nur nach Bauernopfern gesucht werden könnte. Heute ist es für mich Gewissheit.
Es kann keine andere Erklärung für die Beharrlichkeit dieser Staatsanwaltschaft in Lüneburg geben, die zum Bruch des Radreifens führenden kausalen Gesamtzusammenhänge so vehement zu ignorieren, es sei denn, man will bewusst einige Leute schützen. Und das sind nicht die kleinen.

Das Verhalten und Taktieren der Staatsanwaltschaft Lüneburg belastet nicht nur den Steuerzahler, es könnte auch als Rechtsbeugung gesehen werden.


Mit freundlichen Grüßen

Kloss INNOVATIONSBÜRO T. B. I.

Gernot Kloss