Die Illusion Metrorapid


In einer Zeit des technischen Rückschritts in Deutschland, in der epochale Erfindungen und Entwicklungen für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes von größtem Nutzen wären, inzwischen aber Mangelware sind, suchen alle, insbesondere Politiker, nach den großen technischen Mega-Ereignissen. Dabei ist ihnen jedes Thema, jeder Strohhalm recht. Einst war es die zum goldenen Kalb gekürte IT-Branche, an die sich die halbe Nation und ein Aktienmarkt klammerten. Da sich diese nicht so entwickelte, wie gewünscht - es braucht eben Zeit, damit auch aus goldenen Kälbern Kühe zum Melken werden - wird in Deutschland immer öfter versucht, selbst weniger sinnvolle Entwicklungen zu Jahrhundertereignissen zu machen.

Beispiel Metrorapid.

Nachdem in unserem Land technische Entwicklungen jahrelang verschlafen wurden, soll jetzt eine seit Jahrzehnten bekannte Technik den großen Fortschritt bringen. Eine Entwicklung, die trotz eines Aufwands von bisher € 1,5 Milliarden und dreißig Jahren Entwicklungszeit keinen Marktdurchbruch erzielen konnte, hat solchen auch nicht verdient. Eine wirkliche Innovation wäre unter diesen Voraussetzungen schon längst zum Selbstläufer geworden. Durch interessierte Firmenkreise initiierte Politiker glauben nun, mit hohen Fördermitteln doch noch einen Marktdurchbruch erzwingen zu müssen. Fast verständlich in einem Land, in dem bereits die Umstellung eines Reinigungsmittels von Pulverform in Festform als technische Innovation gefeiert wird.

Der Transrapid, als Vorläufer des Metrorapids, bietet im Vergleich zu herkömmlichen Beförderungsmitteln einige Vorteile - einen erschütterungsfreien Lauf und Zeiteinsparungen durch höhere Geschwindigkeiten. Der Metrorapid hat keinen dieser Vorteile, bestenfalls Teile davon.
Sollte der Metrorapid in NRW zum Einsatz kommen, wird er ca. vier Milliarden € gekostet haben. Dies entspricht dem Gegenwert von 32.000 Einfamilien-Häusern oder dem Kapitalbedarf zur Schaffung von 100.000 neuen, zukunftssicheren Arbeitsplätzen. Der Bau des Metrorapids wird dagegen maximal 3.000 langfristige Arbeitsplätze schaffen. Für die Zukunft des strukturschwachen Ruhrgebietes könnte diese Relation einmal von großer Bedeutung sein. Hinzu kommt, dass in dem Betrag von vier Milliarden € noch keine Folgekosten enthalten sind. Es ist davon auszugehen, dass diese systembedingt weit höher sind als bei anderen Beförderungsmitteln.

Transrapid und Metrorapid gehören zur Gattung der Magnetschwebebahnen, die für den Vortrieb zwar einen etwas geringeren Energieverbrauch als andere Fahrzeuge bei gleicher Geschwindigkeit benötigen. Um beide aber in den Schwebezustand zu bringen, bedarf es hoher, zusätzlicher Energieverbräuche, da das Gewicht des Transportmittels und das der
zum Schweben benötigten Zusatzaggregate gehoben werden müssen. Somit wird ein Mehrfaches der bei herkömmlichen Transportmitteln eingesetzten Energie benötigt. Zur besseren Verdeutlichung soll ein einfaches Beispiel als Vergleich angeführt werden. Einfach deshalb, damit es möglichst von vielen politischen Entscheidungsträgern verstanden wird.

Beispiel:
Um einen Personenkraftwagen mit Fahrer bewegen zu können, bedarf es der Kraft bzw. der Energie von nur zwei Personen. Um das gleiche Fahrzeug anzuheben bzw. in der Schwebe halten zu können, bedarf es der Kraft mindestens zwölf weiterer Personen. Sollten diese wie beim Transrapid bzw. Metrorapid Bestandteile des Fahrzeuges sein, wäre, um das durch diese Träger erhöhte Gewicht mitheben zu können, die Kraft weiterer 8 Personen erforderlich. Zur Erfüllung aller Funktionen also wäre die Kraft bzw. Energie von insgesamt 22 Personen nötigt.
Bezogen auf die menschliche Energiemenge, die nur für den Vortrieb des Fahrzeuges nötig wäre, entspricht dies einem Mehraufwand an Energie von 20 Personen. Zwar lässt sich dieses Beispiel in der Realität nicht 1 : 1 übertragen, macht aber deutlich, dass der Energie-Verbrauch von Magnetschwebebahnen enorm hoch ist. Somit stellt sich die Frage, passt diese Fahrzeugart überhaupt noch in die heutige Zeit?

Magnetschwebebahnen sind technisch aufwändige und somit anfällige Verkehrsmittel. Um den Metrorapid bei Defekten von der Fahrbahn holen zu können, muss dieser zusätzlich mit Rädern ausgestattet werden. Zu diesen Rädern gehören auch Achsen und Federn, die das zu hebende Gesamtgewicht und somit den Energieverbrauch noch weiter erhöhen.
Da geplant ist, dass der Metrorapid mehrere Teilstrecken auf Rädern befahren soll, ist der eigentliche Vorteil dieses Fahrzeugkonzeptes, nämlich das erschütterungsfreie Schweben, nur noch sehr eingeschränkt vorhanden. Zeiteinsparungen, als weiterer Vorteil dieser Fahrzeugart, sind bei Einsätzen auf so kurzen Strecken wie in NRW kaum vorhanden. Somit wäre der Metrorapid eine zweifelhafte Investition mit geringsten Vorteilen, aber wesentlichen Nachteilen, und Folgekosten, die einfach nicht in die heutige Zeit passen.

Es wäre sinnvoll, nach weiteren Lösungen zu suchen. Schon deshalb, weil es zu Transrapid und Metrorapid bereits Alternativen gibt - Alternativen die effizienter, billiger und robuster wären (z. B. Bodeneffektfahrzeuge). Diese könnten von den selben Unternehmen gebaut werden, die den Transrapid und Metrorapid ins Leben riefen.

Bochum, September 2001

Kloss INNOVATIONSBÜRO T. B. I.
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